Made in Taiwan
Wer kennt das
Zeichen nicht auf Plastikspielzeug, Elektronik, Billigklamotten
und auf 80% aller Notebooks weltweit?
Eben diese umstrittene abtrünnige Insel Chinas haben wir besucht
und waren angenehm überrascht.
Am
Chiang-Kai-Shek-CKS Airport außerhalb von Taipeh gelandet,
werden wir von einem Englisch sprechenden Lehrer empfangen und
in einem Bus mit Rüschenvorhang und Bemmerln in die
nächstgelegene Garküche gebracht. Zur Einstimmung offenbar, denn
Koch und Personal bemühten sich uns die diversen Beilagen
zusammenzustellen und bei manchen Soßen gab es Tränen!
Ausgehängte Speisekarten sind nicht zu entziffern und bei den
vielen Gerichten weiß man nicht, ob man Schweineblutpudding,
Stinketofu oder Ähnliches serviert bekommt. Vielfach sind auch
Gerüche gewöhnungsbedürftig und Spezialitäten nicht klar
identifizierbar. Doch als Heimat vieler ethnischer Gruppen hat
Taiwan auch eine kulinarische Vielfalt mit unerwartenden
Geschmacksrichtungen.
Auf der Fahrt zum
Sheraton-Hotel geht es durch die Nanjing Road, der Wallstreet
Taipehs, vorbei an einem großen Transparent „UN Freedom for
Taiwan“. Und bei dem Verkehr im Land der 10 Millionen Scooter
drängen alle zum Ampelschnellstart!
Taipeh mit seinen
Wolkenkratzern, die größte Stadt Taiwans ist eine internationale
Metropole, politisches, wirtschaftliches, finanzwirtschaftliches
und künstlerisches Zentrum.
Die Insel gerade mal
so groß wie die Schweiz, doch 400 km lang und 170 km breit ist
westlich geprägt. Wichtigste Handelspartner sind USA, Hongkong,
Japan und Deutschland.
Bemerkenswert, wie so ein hochtechnisiertes Land und alte
Traditionen hier nebeneinander bestehen. Doch das
Wirtschaftswachstum ist in den letzten 5 Jahren nicht mehr so
stark gestiegen und die neue Politik lehnt sich wieder mehr an
das Mutterland China. Die neue Regierung erlaubt nun, dass 4000
Personen aus China einreisen dürfen, früher waren es nur 1000
pro Tag.
Das chinesische
Führungsduo bemüht sich natürlich auch um die Rückkehr Taiwans.
Musterbeispiel für das Funktionieren des Sonderweges ist
Hongkong und Macau. Es soll sogar ein 144 km langer Tunnel
zwischen Taiwan und dem Festland gebaut werden – mit 160
Milliarden voranschlagt.
Auch das österr.
Handelsministerium ist im Land stark vertreten und im Süden in
der Stadt Koahsiung fahren die gleichen U-Bahnen, wie bei uns.
Eine
Sehenswürdigkeit, die man keinesfalls auslassen darf, ist das
derzeit höchste Gebäude der Welt mit 508 m. 2004 wurde das „Tai
Bei 101“ eröffnet. Das Innere beherbergt moderne Shopping-Malls
und im Untergeschoss die größte Foot Mall des Landes. Im
Express-Lift fuhren auch wir zur Plattform, standen aber in
Wolken. Im Lift merkte man kaum die Geschwindigkeit, die dem
freien Fall entspricht.
Ein Pflichtbesuch in
der Innenstadt ist die Chiang-Kai-Shek Gedächtnishalle, ein
achteckiger Bau mit blauem Keramikziegel – ihr gegenüber das
Nationaltheater und die Konzerthalle im traditionell
chinesischen Palaststil erbaut. Im großen öffentlichen Bereich
davor üben Tanzgruppen und Trommler unter freiem Himmel. Gleich
in der Nähe werden in einem Tempel Gebete und Rituale spürbar
ernst genommen.
Räucherstäbchen,
Opfergeld sowie Lotosblume werden an Pilger verkauft. Mit
Wunschklötzchen und Stäbchen wollen Gläubige ihr Schicksal
erfahren. Wenn ein Klötzchen auf die gewölbte Seite fällt ist
das Omen gut.
Nördlich des
Jilong-Rivers Taipehs in den Bergen besuchen wir das „Nationale
Palastmuseum“ eines der vier weltberühmten Museen neben dem
Metropolitan Museum of Art in New York, dem Lourve in Paris und
dem British Museum in London.
Der Stolz Taiwans
mit 700.000 Einzelstücken. 15.000 Kunstwerke werden alle 3
Monate ausgewechselt, so dass es rund 12 Jahre dauert, ehe der
Besucher jeden Gegenstand einmal zu sehen bekommt. Zur Zeit sind
im Wiener Kunsthistorischen Museum einige Exponate zu sehen.
Die Entstehung des
Nationalmuseums ist ein langer geschichtlicher Weg:
In der Sung Dynastie
(960 – 1279 n.Chr.) begannen die Kaiser erstmals zu sammeln und
diese Tradition wurde fortgeführt und so entstand die
kaiserliche Schatzkammer in der verbotenen Stadt Pekings. Nach
dem Sturz der letzten Dynastie 1911 fielen alle Besitztümer an
die Republik China. In 7000 Holzkisten verpackt wurden sie von
den vordringenden Japanern, die 1937 in China einmarschierten,
nach Nauking befördert. Nach der Kapitulation Japans 1945
begannen erneut Auseinandersetzungen. Chiang Kai Shek wurde 1948
zwar zum Präsidenten bestätigt, doch Maos Truppen waren nicht
aufzuhalten und Chiangs Armee verlor 550.000 Mann.
Daher ließ Chiang
Kai Shek alle Geldvorräte und Kunstschätze Chinas 1949 in 6000
Holzcontainer auf dem Seeweg nach Taiwan bringen, um sie vor den
Kommunisten zu schützen. Taiwan war als letzte Rückzugsfestung
vorgesehen.
Kein Wunder also,
dass China diese Kunstschätze für sich beansprucht, obwohl Maos
Truppen und die Kommunisten mit Sicherheit alles
kaputtgeschlagen hätten!
Chiang Kai Shek
starb 1975.
Nach dem kurzen
Geschichtsunterricht geht es zurück an Teehäusern, Tempel,
Straßenhändlern, Garküchen und Kneipen vorbei – Wegweiser und
Straßennamen sind für uns nicht zu identifizieren. Wir sehen auf
einem Hügel das wunderschöne Grand Hotel und wer vor Stadttrubel
und Shopping Mall flüchten will, geht in den Sishon Shan Park
und begibt sich auf die „Vier Tiere Berge“. Von hier hat man
einen herrlichen Blick auf die Stadt.
Taiwaner fühlen sich
in der quirligen Großstadt wohl, während auf dem Land nichts los
ist.
Außerhalb der
Zentren, muss sich der Tourist auf „Chinese only“ einstellen.
Das Mandarin –
Chinesisch, die wichtigste Verkehrssprache Taiwans ist für uns
fremd, kennt 5 verschiedene Töne. In einem Wörterbuch sucht man
vergeblich, denn es gibt an die 35.000 Schriftzeichen aus
verschiedenen Grundbestandteilen und Teilfiguren.
Fest steht, Taiwan
ist ein sicheres Land und die Mehrheit der Besucher sind
Geschäftsreisende, der westliche Tourismus ist im Vergleich
anderer asiatischen Reiseziele klein. Allerdings kommen die
Söhne und Töchter Nippons gerne ins Land.
Um Taiwan allerdings
individuell zu bereisen braucht man ohne Chinesisch Kenntnisse
ein gerütteltes Maß an Abenteuerlust, überraschend eigentlich,
wenn man bedenkt, dass alle Englisch in der Schule lernen.
Doch viele erkennen nicht, dass Taiwan auch für Touristen sehr
viel zu bieten hat. Selbst verwöhnte Reisende werden oft von der
unerwarteten Schönheit überwältigt.
Abseits der Industriezentren und Städte lockt nämlich eine
subtropische Natur mit heißen Quellen, Bergmassive bis zu 4000 m
Höhe, gewaltige Marmorformationen, Seen und Strände sowie kleine
Inseln zum Trekken und Wandern.
Bei einigen Berggipfeln benötigt man sogar einen Mountain-Pass
und wer Glück hat findet sogar unser Edelweiß.
Eine strategisch
wichtige Stadt ist Kaohsiung im Südwesten. Sie ist die
zweitgrößte Stadt und gehört zu den weltgrößten Häfen – auch im
Frachtcontainer – Umschlag.
Zu einem der
wichtigsten Zentren des Buddhismus der Erde zählt das Kloster
„Berg des Buddhaglanzes“ in Kokuang Shan. Im Hauptschrein
befinden sich an die 10.000 Buddhas in interessanten
Darstellungsformen.
Auch die größte Buddhistische Klosteranlage ChuHsisu findet man
im Südwesten und den ältesten Konfuzius Tempel Taiwans.
In Tai Nan gibt es noch das Ritual der Geisteraustreibung, wo
Gepeinigte kniend mit Räucherstäbchen nachsprechen oder das
Orakelknochenwerfen und Ähnliches.
Im Süden sind die
schönsten Strände des Landes. Einnahmequelle ist der Tourismus
und am Wochenende tummeln sich hier Besucherströme, daher gibt
es auch ein lebendiges Nachtleben, obwohl es im Sommer tropisch
heiß ist.
Der Norden dagegen
ist nicht so malerisch wie die Ostküste, hier gehen die Uhren
anders, man merkt es am Verkehr.
Mit für uns neuen
Eindrücken verabschieden wir uns von der abtrünnigen Insel
Chinas und der Generaldirektor für Tourismus Taiwans heißt
künftig alle aufrichtig willkommen und meint, besuchen Sie
Taiwan und lassen Sie Ihre Gedanken, Ihren Körper und Ihren
Geist erholen – Sie werden aufregende wunderschöne Erinnerungen
mit nach Hause nehmen.
Visitkarten werden
in Taiwan wörtlich genommen – wer keine hat hieße das Gesicht
verlieren.
Sie ist unverzichtbar und auch für Touristen ratsam genügend
mitzunehmen. Die Präsentation einer Karte ist traditionell, wird
mit 2 Händen überreicht und entgegengenommen, sie ist zur
Gesichtswahrung unbedingt notwendig.
Bericht von Komm.
Rat Hilmar Pastner |